Gunslebens Eisenbahngeschichte

Von der Haupt- zur Nebenbahn

Die Strecke Oschersleben - Neuwegersleben - Gunsleben war ursprünglich Teilstück der 1843 als zweigleisige Hauptbahn eröffneten Eisenbahnverbindung Oschersleben - Wolfenbüttel - Braunschweig. Damit gehörte sie zu den ältesten Eisenbahnlinien Deutschlands, die sich schnell zur wichtigen Ost-West-Verbindung (Warschau) - Berlin - Rheingebiet- (Paris) entwickelte. Auf dieser Strecke verkehrten sowohl Schnellzüge als auch Durchgangsgüterzüge, ergänzt durch mehrere Personen- und Nahgüterzüge für den Lokalverkehr.
Dieser Lokalverkehr bediente zwischen Oschersleben und Wolfenbüttel die an der Strecke gelegenen Dörfer, zu denen auch Gunsleben und Neuwegersleben gehörten. Für die Neuwegerslebener und Gunslebener Betriebe war diese Anbindung lebenswichtig, solange sie Bestand hatte. In Neuwegersleben waren das die Schraubenfabrik H. Behrens, nach deren Konkurs die Kistenfabrik W. Behrens & M. Senft sowie die Brikettfabrik, die über ein Anschlussgleis mit der Braunkohlengrube „Vereinigte Friederike“ Hamersleben verbunden war. In Gunsleben war der Getreidehandel C. Klietz auf die Bahnverbindung angewiesen. Zudem wurde von Gunsleben aus die Zuckerfabrik Aderstedt über ein 3 km langes Anschlussgleis bedient. Bedeutsam war auch das erhebliche Frachtaufkommen der Landwirte sowie der Personenverkehr.

Im Sommer 1931 machte der von Dipl. Ing. Franz Friedrich Kruckenberg entwickelte Schienenzeppelin (V max. 230 km/h) während einer Testfahrt in Gunsleben Station. 

1946 wurde die Strecke auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) als Reparationsleistung demontiert und in eine eingleisige Nebenbahn umgewidmet.

Das änderte sich nach dem 2. Weltkrieg mit der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen. Zwischen der sowjetischen und britischen Besatzungszone und damit zwischen Gunsleben und Jerxheim verkehrte der letzte planmäßige Zug am 30.6.1945. Zwischen diesen Orten wurden beiderseits der Demarkationslinie die Gleise vollständig demontiert. Die in der späteren DDR verbliebene Reststrecke zwischen Oschersleben und Gunsleben erhielt den Charakter einer Stichbahn. Nachdem ein Schienenstrang dieser Strecke 1946 auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) als Reparationsleistung demontiert worden war, wurde die Strecke in eine eingleisige Nebenbahn umgewidmet. Deren Bedeutung für den Lokalverkehr blieb vorerst erhalten. Folgerichtig waren werktags sechs und feiertags drei Zugpaare im Personenverkehr mit Güterverkehr im Einsatz, die den Berufs- und Individualverkehr ebenso bewältigten wie den Gütertransport zu und von den verbliebenen Betrieben VEB Holzindustrie Neuwegersleben und VEB Zuckerfabrik Aderstedt.

Zwischen Oschersleben und Gunsleben waren werktags sechs und feiertags drei Zugpaare im Personenverkehr mit Güterverkehr im Einsatz.
Zwischen Oschersleben und Gunsleben waren werktags sechs und feiertags drei Zugpaare im Personenverkehr mit Güterverkehr im Einsatz.

Dennoch schritt der Niedergang der Strecke unaufhaltsam voran. 1959 wurde das qualitativ gute Schienenmaterial zum Ausbau des Berliner Außenringes gegen leichtere Schienen ausgetauscht. Mangelnde Pflege, verursacht durch Arbeitskräfte- und Materialmangel, führten zu umfangreichen Gleisschäden. Dazu kam die Durchweichung des Bahnkörpers durch Drängewasser, das den ungepflegten stets wasserreichen Eisenbahngräben entstammte. Die Einführung von Langsamfahrstrecken erwies sich als unausweichlich. Das wiederum rief die Befürworter einer Streckenstilllegung auf den Plan, die aber dank fehlender Alternativen für die Bewältigung des Personen- und Güterverkehrs erfolglos blieben. Als dann endlich um 1976 das Gleisbett mit alkalihaltigen Betonschwellen saniert wurde, beschleunigte das den Verfall der Strecke. Witterungsbedingt zerbröselten diese Betonschwellen sehr schnell.
Nach der politischen Wende führten der sinkende Bedarf und die zu erwartenden hohen Reparaturkosten nach 149jähriger Betriebszeit am 30. Mai 1992 zur Einstellung des Bahnverkehrs.

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